Tag #1: Den Hinflug haben wir verplappert. Wenige Tage vor Abflug stellte sich die Vorfreude ein, die man genießen möchte, wenn man in die Ferne schweift. Und diesmal war es ja auch so richtig fern. Das Internet, das ich drei Wochen lang nicht nur konsequent, sondern auch mangels Möglichkeit mied, verrät mir heute, dass wir so um die 6.800 Kilometer Luftlinie zurücklegten. Nach der Buchung des Trips wurden Informationen und Ausrüstungsgegenstände in Haufen angesammelt, um dann wenig später wieder keine Rolle zu spielen. Vielleicht war es zuviel der Vorabinformation, vielleicht sollte ich mich bei meinem üblichen Reiseverhalten (das notwendige Impfungen und eine Reiseapotheke umfasst, aber keine Paranoia) auch zukünftig nicht beirren lassen. Die Reise nach Indien zeigt: Es ist die Einstellung, die eigene Sicht der Dinge, die eine solche Sache zum Erfolg oder zum Dauerdurchfall werden lässt... weiter zum Reisebericht mit Fotos
Tag #2: Früh war´s. Erst klingelte der Wecker, dann das Telefon auf dem Klo. Immer wieder bin ich erstaunt, welche Details Hotels in ungeahnte Sternekategorien heben. Wer braucht bitte außerhalb eines Minizimmers ein Telefon auf dem Klo? Wir wussten jedenfalls einige Sekunden lang nicht zu deuten, woher das Feueralarmsignal kam. Im Badezimmer ging ich dann an den speckigen Hörer und der Anrufer vergaß zu reden. Es war ihm wohl genug, uns wach zu wissen. Namaste! Um halb fünf stiegen wir in die bereitgestellten klapprigen PKW, die uns zum Bahnhof von Delhi brachten. Überall lagen Menschen auf dem Boden, nur in dünne Decken gehüllt. Auch hier wurden die großen weißen Pakete auf dem Kopf balanciert und von rechts nach links gehievt. Die Reicheren leisteten sich Kofferträger. Die Fahrt im Zug nicht erwähnenswert, außer, dass auch hier eine Menge Menschen arbeitete. Vor allem, um uns erst einen heißen Tee aus kleinen Puppenkannen und dann ein süßes Frühstück auf einem Minitablett zu servieren. Wie stets auf der Reise waren auch hier alle Lebensmittel nach deutschem Standard nicht mehr halt-, aber genießbar... weiter zum Reisebericht mit Fotos
Tag #3: Kultureller Austausch beschloss die letzte Nacht. Singend zu den Handys des harten Kerns, der sich schon am zweiten Tag manifestierte, waren wir ins Hotel zurückgekehrt und hatten dort die Lobby beschallt. Wie eigentlich immer bestaunt von den Menschen, die dort arbeiten. Ich bin bis zum Ende unserer Reise nicht dahinter gekommen, wo sich die Millionen von Touristen versteckt hielten, die uns der Reiseführer versprach. Vielleicht ist der Beruf des Reiseführerautors ja gar nicht so schlecht, weil viel mehr an Inhalt im Reich der Fantasie entsteht, als gemeinläufig bekannt wird. Ich muss da mal drüber nachdenken... weiter zum Reisebericht mit Fotos
Tag #4: Da wären wir wieder. Gebäude mit viel Geschichte – und ich. Ganz Orchha ist vollgestopft mit Tempelanlagen und Palästen. Mancher dieser riesigen Bauten wurden von seinem Mogulen nur für eine Übernachtung genutzt, um danach ungenutzt zu bleiben. Großartige und hübsch anzusehende Verschwendung. Dekadenz in Maßen täte uns vielleicht allen mal wieder gut. Vielleicht auch das System, für jeden Wochentag eine eigene Geliebte zu haben. Schließlich wurde das alles sehr diskret gehandhabt, der riesige Innenhof des zweiten Palastes öffnet sich für sieben reich verzierte Türen, hinter denen die Damen lebten. Unserem Auge unsichtbar verborgen bleibt der Geheimgang, mit dem der Prinz sich über die Rückseite seiner Ausgewählten nähern konnte. Stutenbissigkeit war anscheinend auch hier ein Thema und sollte nicht für Unruhe sorgen... weiter zum Reisebericht mit Fotos
Tag #5: Der Abschied von Orchha fiel fast ein wenig schwer. Ich finde es immer wieder faszinierend, wie schnell einem ein zuvor noch völlig fremder Platz vertraut wird. Durch die Menschen, die ihn bewohnen, und durch die Bereitschaft des Besuchers, sich auf ihn einzulassen. Ich behaupte einfach mal, dass es die eigene Flexibilität durchaus fördert, sich beim Reisen auch mit den Menschen und Gegebenheiten auseinanderzusetzen, die sich vor Ort finden. Genau das Gegenteil versuchte der andere Teil unserer Reisegruppe, der sich immer noch über langsame Bedienung und zu wenig Fleisch am Hühnchen aufregte. Ich kapiere es schlicht nicht, wie man an die tollsten Orte der Welt fahren kann, mit einer Erwartungshaltung, bitteschön den eigenen Lebensalltag nicht zu sehr durcheinander zu bringen. Und zu dem gehören nunmal Sitzklos mit tollem Klopapier und Wasserspülung, dicke Tiere, die ihr Fleisch hergeben, und schnelle Zackzack-Reaktionen, wenn der Touri etwas möchte... weiter zum Reisebricht mit Fotos
Unter www.kkpropaganda.de werde ich auch in den nächsten Tagen weiter fleißig sein und meine drei Moleskine-Tagebücher digitalisieren. Ich freu´mich über Besuch und Feedback!