Moin. Zuerst einmal muss ich zugeben, dass ich mich mit JET BLACK nie beschäftigt habe. Diese D.I.Y.-Band aus der Gegend von Bremen war immer irgendwo in meinem Augenwinkel, aber gesehen oder gehört habe ich sie nie. Jetzt, wo die Jungs sich auflösen, äh, also ihre Band auflösen, dachte ich, es sei eine gute Gelegenheit, sich aus erster Hand aufklären zu lassen...JET BLACK sind Danny, Kevin, Nils und Mischa.

Gebt mir doch bitte mal einen kurzen Abriss über die Geschichte von JET BLACK. Es gibt/gab Euch jetzt 6 Jahre? Das ist eine lange Zeit. Wie und warum habt ihr angefangen, Musik zu machen? Einzeln und als Band?
A: Hi erstmal! Also wir haben zusammen angefangen Mucke zu machen, als wir so im Schnitt 18 waren. D amals haben wir als Schülerband begonnen Punk-Rock zu spielen. Zu jenem Zeitpunkt hatten wir noch nen anderen Bassisten und keiner von uns hatte vorher wirklich ein Instrument gespielt. Soll heissen, wir fingen alle bei Null an. Unser erster Song war ca. 3 Minuten lang und hatte die ganze Zeit die selben vier Akkorde und den gleichen Beat. Wir haben dafür satte 4 Monate gebraucht, aber wir waren mit dem Resultat sehr zufrieden und es hat uns sehr viel Spaß gemacht, nun endlich auch selbst Musik zu machen. Aufgewachsen sind wir alle in einem Kaff bei Bremen, das sich Delmenhorst schimpft... den meisten wohl inzwischen durch Sarah Connor ein Begriff (wie traurig). Ach ja ... und da gibt es ja jetzt auch einen Song von Sven Regener drüber. Klasse Stück. Trifft es ganz gut...
In Delmenhorst gab es nicht viel, was man so als Jugendlicher tolles anstellen konnte, daher verbrachten wir natürlich viel Zeit beispielsweise in Bremen, wo wir jetzt ja inzwischen alle wohnen. Wir hätten nicht gedacht, dass wir wirklich so weit mit unserer Musik kommen würden, wie wir es inzwischen sind. Irgendwann kam dann auch der erste Auftritt in der Villa in Delmenhorst und später dann auch vor "Sszenepublikum" in der G18 in Bremen. Eine ziemlich legendäre Location möchte ich hier mal sagen. Dort sind wir zuvor schon auf vielen geilen Konzis gewesen und durften nun tatsächlich selbst dort zocken. Inzwischen bediente unser Herzallerliebster Nils die dicken Saiten. Wir spielten als Vorband von J.R.Ewing, die natürlich schon beim Soundcheck alles weggeblasen hatten. Wir waren tierisch eingeschüchtert, machten unsere Sache aber wohl ganz gut, zumal J.R.Ewing in ihrem Tourtagebuch so ziemlich jede der Bands mit denen sie gespielt haben gedisst haben, haha. Da sind wir nochmal ganz gut davon gekommen... Zu jener Zeit haben wir eher Punk mit ein paar Hardcore einflüsse gespielt, was sich ja inzwischen ganz gut gewandelt hat. Mit der zeit kamen halt die Angebote aus anderen Städten dort aufzutreten und wir waren oftmals auf Tour durch Deutschland, was uns allen sehr viel Spaß machte und immer wieder eine neue Herausforderung war. Um auf deine Frage zurück zu kommen: Wir haben angefangen Musik zu machen, weil wir alle sehr gern Punk und Hardcore gehört haben und auch selbst irgendwann Bock hatten Krach zu machen. In Delmenhorst ging bis dato nicht wirklich der Punk ab, bis auf ein paar Ska-Punk Konzis in der Gegend. Da wollten wir mal was eigenes machen, was ballert, haha... wenn ich jetzt unsere alten Aufnahmen höre, dann kann da von ballern wohl noch nicht die Rede sein, aber naja...

2. Was ist/war für Euch persönlich der Antrieb, Konzerte zu spielen? Raus aus der eigenen Stadt?
A: Das ist sicherlich ein wichtiger Aspekt. Als Schüler oder Student hast du natürlich mehr Zeit als ein berufstätiger Mensch, aber bist einfach 'ne arme Sau aus finanzieller Sicht. Daher war es für uns natürlich immer unglaublich aufregend in anderen StädtenKonzerte spielen zu dürfen. Ein Wochenende mit zwei Gigs in anderen Städten kann einem schon die ganze langweilige Woche versüssen. Inzwischen sind wir in den letzten sechs Jahren ganz gut rumgekommen und haben viele tolle Leute und Bands kennengelernt. Da ist es immer wieder richtig schön, wenn du diese Leute auf 'nem Konzi wieder siehst. Neue Menschen kennen zu lernen und einfach eine gute Zeit zu haben war für uns immer der Hauptantrieb on the road zu gehen. Natürlich macht es uns auch sehr viel spaß konzerte zu spielen und so vielleicht ein paar andere Menschen zu erreichen. Es ist echt toll, zu sehen , dass sich auch andere mit deiner Musik auseinander setzen... Beim letzten Auftritt in Münster mit Funeral Diner gab es in der ersten Reihe sogar ein paar wildfremde Konzertteilnehmer, die die texte mitgekreischt haben. Is schon Wahnsinn, wenn da echt welche stehen, die du nie zuvor gesehen hast und die Texte mitsingen, die du selbst geschrieben hast und die dir sehr viel bedeuten....

3. Ihr habt ja immer ziemlich regelmässig gespielt, in 2005 aber nur 5 mal. Wie kam das?
Das hatte mehrere Gründe. Hauptsächlich lag es daran, dass Kevin im Rahmen seiner Diplomarbeits-Recherchen auf Helgoland gearbeitet hat. Als er dann nach Monaten wieder kam, flog er auch schon bald darauf mit seiner Freundin nach Mexiko für einige Zeit. Mit Proben war somit nicht viel, da Kevin sehr viel zum Songwriting beiträgt. Konzerte waren somit auch rar gesäht. So langsam begann dann auch das Bandgerüst auseinander zu brechen, zumal Kevin und Nils bemerkten, als wir endlich wieder geprobt hatten, dass sie mit der Sache so langsam aber sicher abgeschlossen hatten. Ihnen fehlte das Proben und die Konzerte nicht so sehr wie Danny und mir, was aus meiner sicht vollkommen okay ist, da hier die Prioritäten innerhalb der Band im Laufe der Zeit sehr stark voneinander abwichen. Einige wichtige Gespräche folgten und es kam dazu, dass der Split offiziell wurde. Wir haben uns dann drauf geeinigt, die Band aufzulösen, nachdem wir die Platte fertig gestellt und noch ein paar Abschiedsgigs zum besten gegeben haben. Ich möchte mich hier nochmal offiziell bei allen entschuldigen, deren Konzertanfragen wir deshalb im letzten Jahr absagen mussten und die wir somit leider enttäuschten.

4. Auf der bald erscheinenden Platte von Euch ist ein Song namens "(Bonjour) tristesse". Eine Homage an Children Of Fall? Oder an Françoise Sagan?
Den Text zu diesem Song hat Danny geschrieben, daher kann ich dazu nicht all zu viel sagen. Was aber sicher ist: Der Song hat mit Children of Fall nichts zu tun. Ob er sich auf den Roman von Françoise Sagan? bezieht? Da muss ich Danny nochmal fragen... Ich kann dazu noch sagen, dass wir den Song schon seit ein paar Jahren spielen und der Titel von vornherein so ausfiel. Ob wir nun die ersten waren, die diesen Titel gewählt haben kann ich nicht sagen. Es ist in der Szene aber mehr als bekannt, dass sich Songtitel/Texte und Samples bei den meisten Punk/Hardcore Bands eh überschneiden und da so etwas schon einmal vorkommen kann. Man schaue nur einmal, wie oft einige Filmsamples auf verschiedenen Platten immer und immer wieder verwendet werden. Ebenso soll mir einer mal eine Mid-90s-Emo Band nennen, deren Songs komplett ohne E-Moll und C auskommen, haha.

5. Auf der Homepage von unterm.durchschnitt steht in der Band-Story: "Unverhohlen und direkt schreien sie ihre Gedanken und Gefühle heraus; entfesselt und laut. Das Herz schlägt dabei seinen eigenen Takt." Was genau ist Euer Anspruch?
Ich denke, unser Anspruch besteht darin in erster Linie ehrlich zu sein. Ich liebe es, wenn Bands ihre Gedanken zu Papier bringen und andere daran auf verschiedene Arten teilnehmen lassen. Wenn du dein innerstes in deiner Musik wiederspiegelst und somit eine Art Seelenstriptease hinlegst, ist das ein enorm befreiendes Gefühl. Das schreien an sich hat sich bei uns einfach entwickelt. Es ist eine Form der Ausdrucksweise, die einfach alles rauslässt, was sich in dir aufstaut: Hass, Liebe, Freude, Trauer, usw... Unsere Musik ist das Ventil um all diesen Dingen freien Lauf zu lassen. Wenn du das, das dich bedrückt auf irgendeine weise herauslassen kannst, ist das ein Ventil, dass es dir erlaubt, dich befreiter zu fühlen. Wenn du auf diese Art und Weise zusätzlich noch andere Menschen erreichen kannst ist das ein wirklich ein tolles Gefühl. In erster Linie haben wir aber unsere Musik stets für uns selbst gemacht. Wir wollten etwas Eigenes erschaffen, was uns keiner nehmen kann. Ich denke das haben wir erreicht...

Vielen Dank für das Interview - es hat sehr viel Spaß gemacht!

http://www.jetblack.de